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Was ist PDF/UA? Ein Einsteigerhandbuch zu ISO 14289

July 20, 2026 · 4 Min. Lesezeit · Das EasyAccessPDF-Team

Wenn Sie mit digitalen Dokumenten arbeiten, haben Sie wahrscheinlich schon den Begriff PDF/UA gehört. PDF/UA steht für PDF/Universal Accessibility und ist der internationale Standard, der als ISO 14289 veröffentlicht wurde. Sein Ziel ist einfach: PDF-Dateien für Menschen zugänglich zu machen, die Hilfstechnologien wie Screenreader, Bildschirmlupen, Braillezeilen oder Schalter einsetzen.

PDF/UA ist kein eigenes Dateiformat. Es handelt sich um eine Reihe von Regeln, die Autoren und Softwareentwicklern vorgeben, wie PDFs erstellt werden müssen, damit alle sie lesen und navigieren können. Ein PDF/UA-konformes Dokument behält seine semantische Struktur bei: Überschriften, Listen, Tabellen, Links und Formularfelder sind nicht nur visuelle Objekte, sondern bedeutungstragende Informationseinheiten.

Was PDF/UA abdeckt

Der Standard betrifft viele Bereiche einer PDF-Datei. Wer diese Bereiche versteht, erkennt auch, warum manche Dokumente den Barrierefreiheitscheck bestehen und andere durchfallen.

Ausgezeichnete Inhalte. PDF/UA verlangt, dass Inhalte getaggt sind. Tags beschreiben die Rolle jedes Elements, etwa Absatz, Überschrift, Abbildung oder Tabellenzelle. Ohne Tags sieht ein Screenreader nur einen Fließtext und kann nicht erkennen, wo ein Abschnitt beginnt oder endet.

Logische Lesereihenfolge. Ein Dokument muss von oben nach unten und von links nach rechts in einer logischen Reihenfolge lesbar sein. Mehrspaltige Layouts, Seitenleisten und schwebende Textboxen können Hilfstechnologien verwirren, wenn die Lesereihenfolge nicht stimmt.

Alternativtexte. Bilder, Diagramme und Grafiken brauchen kurze Textbeschreibungen. Dekorative Bilder sollten als Artefakte markiert werden, damit Screenreader sie überspringen.

Schriften und Zeichen. Text muss korrekt eingebettet oder abgebildet sein. Enthält ein PDF nur Bilder von Text, kann ein Screenreader keine Wörter extrahieren.

Navigation und Links. Lesezeichen, ein Inhaltsverzeichnis und klickbare Links erleichtern die Orientierung in langen Dokumenten. PDF/UA erwartet außerdem, dass Linktexte das Ziel beschreiben und nicht einfach „hier klicken“ lauten.

Formulare. Interaktive Formularfelder benötigen Beschriftungen, Tooltips und eine logische Tabulatorreihenfolge. Nutzer sollten Formulare ohne Maus ausfüllen und absenden können.

Metadaten. Das Dokument sollte Titel, Sprache und Autor angeben. Diese Metadaten helfen Software, das Dokument zu erkennen und korrekt darzustellen.

Wie PDF/UA mit WCAG zusammenhängt

WCAG, die Web Content Accessibility Guidelines, sind der bekannteste Standard für Web-Barrierefreiheit. PDF/UA und WCAG verfolgen dasselbe Ziel, zielen aber auf unterschiedliche Technologien ab. WCAG konzentriert sich auf HTML, CSS und JavaScript, PDF/UA auf das PDF-Format.

WCAG 2.1 und WCAG 2.2 sind nach vier Prinzipien aufgebaut: Inhalte müssen wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sein. PDF/UA greift diese Ideen eng auf. Ein getaggtes PDF erfüllt beispielsweise das Erfordernis einer wahrnehmbaren Struktur, tastaturbedienbare Formulare das Prinzip der Bedienbarkeit.

In vielen Regionen müssen öffentliche Stellen WCAG 2.1 Level AA einhalten. Da PDFs oft als Web-Inhalt behandelt werden, müssen auch sie barrierefrei sein. PDF/UA gilt weithin als der Weg, PDF-Barrierefreiheit im Einklang mit WCAG zu erreichen.

Wie man PDF/UA-Konformität prüft

Die Prüfung eines PDFs auf Barrierefreiheit besteht meist aus zwei Schritten: automatisierter Scan und manuelle Überprüfung.

Beginnen Sie mit einem automatisierten Prüftool. Diese Tools finden schnell fehlende Tags, leere Alternativtexte, falsche Lesereihenfolgen und fehlende Metadaten. Sie sparen Zeit, können aber nicht jedes Problem erkennen.

Nach dem automatisierten Scan folgt die manuelle Überprüfung. Öffnen Sie das Dokument mit einem Screenreader wie NVDA oder JAWS. Hören Sie, wie der Inhalt fließt, testen Sie Links, versuchen Sie, Formulare mit der Tastatur auszufüllen, und prüfen Sie, ob Bilder zutreffend beschrieben sind.

Einige Prüfungen erfordern menschliches Urteilsvermögen. Ein Tool kann erkennen, ob ein Bild einen Alternativtext hat, nicht aber, ob die Beschreibung nützlich ist.

Tools zum Erstellen und Validieren von PDF/UA

Mehrere Tools helfen Ihnen bei der Erstellung barrierefreier PDFs. Microsoft Word und Adobe InDesign unterstützen beide den Export als getaggtes PDF, wenn Sie Formatvorlagen und Alternativtexte konsequent verwenden. Auch LibreOffice bietet beim PDF-Export Optionen für Barrierefreiheit.

Für die Validierung enthält Adobe Acrobat Pro einen Barrierefreiheitschecker und einen Assistenten zum Barrierefrei-machen. axesWord und axesPDF bieten spezialisierte PDF/UA-Workflows. VeraPDF ist ein kostenloser Open-Source-Validator, der gegen ISO 14289 testet und Konformitätsstufen ausgibt. PAC (PDF Accessibility Checker) ist ein beliebtes Windows-Tool, das automatisierte Prüfungen mit einer Screenreader-Vorschau kombiniert.

Für Entwickler können Bibliotheken wie iText und PDFBox getaggte PDFs programmatisch erstellen. Das ist nützlich, wenn Dokumente aus Vorlagen oder Datenbanken generiert werden.

Fazit

PDF/UA zeigt Organisationen einen klaren Weg zu barrierefreien Dokumenten. Durch die Kombination von korrekten Authoring-Praktiken mit automatisierter und manueller Prüfung erstellen Sie PDFs, die für alle Leser funktionieren. Ob Berichte, Formulare, Handbücher oder Rechnungen – die Einhaltung von ISO 14289 hilft Ihnen, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen, die Nutzererfahrung zu verbessern und zu zeigen, dass Ihrer Organisation Barrierefreiheit wichtig ist.